Pilzbau: Zitronenseitling

Ich habe vor einiger Zeit Pleurots citrinopileatus (Zitronenseitling) aus Körnerbrut gezogen. In diesem Beitrag werde ich auf den erfolgreichen Anbau, als auch auf die gescheiterten Versuche eingehen.
Erfolgreicher Anbau
Der Anfang
Ich mischte die Körnerbrut mit autoklavierten und befeuchten Buchenholzspänen – es ist ein Augenmerk darauf zu legen, dass das Substrat nicht zu feucht ist. Buchenholzspäne sagen dem Pilz am meisten zu – welches Substrat man verwendet ist jedoch teils von Gattung zu Gattung unterschiedlich. Nach 1 Woche in etwa war der Sack mit Myzel durchwachsen und die ersten kleinen Ansätze von Fruchtkörpern kamen zum Vorschein – daraufhin habe ich den Sack an dieser Stelle aufgeschnitten.
Wenige Tage danach entwickelten sich langsam aber sicher kleine Fruchtkörper (1. Bild der Galerie).
Was ist Körnerbrut?
Körnerbrut sind abgetötete Roggenkörner, die feucht sind und mit dem Pilz beimpft wurden. Die Körnerbrut wird hergestellt indem Sporen des Pilzes mithilfe einer Spritze in den Sack in dem das Substrat, welches autoklaviert (=über eine gewisse Zeitspanne über 120 °C erhitzen) injiziert werden.
Etwas fortgeschrittener
Sobald die ersten kleinen Fruchtkörper (1. Bild in der Galerie) zum Vorschein kamen nahm die Geschwindigkeit des Wachstums wie bei meinem ersten Anbau rasant zu. Nach 4 Tagen waren sie etwas größer (2. Bild in der Galerie).
Galerie
Ziemlich fertig
Nur weitere 5 Tage später waren die Fruchtkörper so gut wie ausgewachsen (3. Bild in der Galerie). Ich wartete danach noch in etwa einen Tag und dann erntete ich die Fruchtkörper. Es ist darauf zu achten, die Fruchtkörper nicht zu spät zu ernten, da die Sporen eine mechanische Belastung für die Lunge darstellen würden – die Sporen sind an sich jedoch nicht toxisch wie z.b. bei Aspergillus. Außerdem wäre das Aroma der Fruchtkörper nach zu später Ernte nicht mehr optimal vorhanden.
Ich kann leider nur die Bilder aus der Galerie anbieten, da dieser Anbau damals leider nicht allzu gut bildlich dokumentiert wurde.
Fehlgeschlagene Versuche
1. Fehlgeschlagener Versuch
Einen fehlgeschlagenen Versuch habe ich nicht auf meinem Instagram-Account dokumentiert. Das Substrat hatte eine Optimale Zusammensetzung, aber leider war eine Kontamination vorhanden (vermutlich: Spinnenschimmel) und die Fruchtkörper starben ab. Außerdem hatte ich Sorge, selbst wenn was wachsen sollte, dass das Konsumieren des Resultates gelinde gesagt nicht sehr gesundheitsfördernd wäre.
Zusammensetzung des Optimales Substrats und Best-Case-Szenario
- 320 g Holzchips
- 170 g Weizenkleie
- 650 g Sägemehl (oder Buchenholzspäne bei Limonenseitling)
- 25 g Gips
- 850 g Wasser
Diese Liste bezieht sich auf die Herstellung von 2 kg Substrat.
Weizenkleie erhält man meist in Reformhäusern, Gips in Drogeriemärkten und Sägemehl bzw. Buchenholzspäne im Gartencenter oder auch auf Amazon.
Weiters würde man wie folgt verfahren:
- Die Holzchips müssen über Nacht eingeweicht werden, damit potenziell vorhandene Endosporen von Bakterien keimen können.
- Man muss man die Späne optimalerweise in einem Sieb 15 Minuten lang abtropfen lassen.
- Die restlichen Zutaten werden nun mit den Holzchips gut vermengt und anschließend autoklaviert man das Substrat in Autoklav-Bags in einem Druckkochtopf etwa 3 Stunden lang – meine damalige Temperatur betrug ca. 120 °C.
- Sobald das ganze abgekühlt ist sollte die Körnerbrut in dem Autoklav-Bag dem Substrat möglichst gleichmäßig untergemischt werden (unter möglichst hygienischen Bedingungen: Handschuhe tragen).
- Zu guter Letzt verschließt man das Autoklav Bag möglichst gut (mit Klebeband oder mit einem Plastikschweißer zuschweißen).
*Bei dem Link zu den Autoklav-Bags handelt es sich um keine Produktplatzierung
Nun wartet man ab, bis der Sack gut von Myzel durchwachsen ist und setzt es den optimalen Temperaturen für die Fruchtung aus. Anschließend wartet man auf die ersten Fruchtkörper-Ansätze und schneidet den Sack oben auf.
Das wäre der best-case gewesen, wenn dieser Versuch funktioniert hätte.
2. Fehlgeschlagener Versuch
Der zweite fehlgeschlagene Versuch wurde auf Instagram dokumentiert. Hier vermute ich, dass es in meinem Zimmer einfach viel zu warm war. Das Myzel zeigte am Anfang gute Ansätze, sich voll zu entwickeln und wuchs schnell, doch es stellte das Wachstum nach ein paar Tagen leider von selbst ein.
Fehlgeschlagene Versuche in Zukunft begrenzen
Um die fehlgeschlagenen Versuche zu begrenzen empfiehlt es sich, die optimale Temperatur von 24 °C für den Pilz einzuhalten. Ein Pilzgewächshaus hätte möglicherweise Kontaminationen beim ersten Versuch vermeiden können. Bei keinem Versuch bisher war die Fruchtung optimal, weshalb ich in Zukunft wenn möglich versuchen werde, die Fruchtung des Zitronenseitlings (Bildung der Fruchtkörper) bei der optimalen Temperatur von 21 °C zu induzieren.
Zusätzlich werde ich künftig auf die optimale Feuchtigkeit achten, welche im Wachstum 96% und bei der Fruchtung 98% betragen würde. Die geeigneten Werkzeuge hierfür habe ich noch nicht, jedoch könnte mir das auch wahrscheinlich dabei helfen, wie oft ich den Pilz abhängig von der Phase besprühen werde. Außerdem werde ich in Zukunft auch darauf achten, dass der Pilz mehr Frischluftzufuhr für ein optimales Wachstum bekommt, da vor allem bei Seitlingen dies ein bedeutender Faktor ist.
Schlusswort
In diesem Beitrag sieht man, dass es nicht immer optimal läuft, aber wie bei vielen Dingen im Leben gilt es, sich von Rückschlägen nicht gleich entmutigen zu lassen. Zumindest ein Versuch ist ja mehr oder weniger geglückt. Es werden meinerseits auf jeden Fall noch mehrere Versuche folgen und ich werde nicht aufhören Zitronenseitlinge zu kultivieren bis es reibungslos läuft. Danach habe ich geplant Hericium erinaceus (Lions-mane) zu kultivieren, da er mich optisch anspricht und ein gesundes Superfood ist.
Die weiteren Versuche werden auf jeden Fall auch auf diesem Blog dokumentiert, aber vorwiegend positive Ergebnisse. In diesem Beitrag wollte ich unter anderem auch den worst case zeigen und dass Rückschläge auch in diesem Bereich nicht unüblich sind, vor allem am Anfang.
Aller Anfang ist schwer, sprach der Dieb und stahl zuerst einen Amboß.
Karl Simrock, Die deutschen Sprichwörter. Sprichwort 313
Ein weiteres künftiges Ziel in diesem Bereich ist es, mehrere Erntewellen herbeizuführen, bisher glückte leider nur eine.
Die Welt der Pilze ist einfach voller Wunder: schnelles Wachstum und gesunde Inhaltsstoffe 🙂
Wieder ein sehr interessanter Beitrag-sehr gut erklärt 👍😊. Danke Maria Strasser
Super, da bekommt man Hunger :-). Würde mich interessieren, ob die Zitronenseitlinge auch geschmeckt habe. Solche ausgefallen Sorten gibt es ja leider nicht im Geschäft zu kaufen.